Lochkamera ohne Alufolie basteln

Ein Stück Karton, Dosenblech oder dünnes Messing ersetzt die Alufolie einer Lochkamera ohne Probleme, solange die Platte dünn genug bleibt. Entscheidend ist die Materialdicke am Loch und nicht die Metallsorte. Bei einem Lochdurchmesser von 0,3 Millimetern lässt eine Alufolie von 0,016 Millimetern Dicke einen Bildwinkel von 174 Grad zu, ein Karton von einem Millimeter dagegen nur noch 33 Grad. Das Bild schrumpft dann zu einem schmalen Ausschnitt mit dunklen Rändern.

Der Grund liegt in der Geometrie des Lochs. Ein Loch in dicker Pappe ist ein kurzer Tunnel, und Licht von der Seite stößt gegen die Tunnelwand, bevor es hinten ankommt. Ein Tunnel von 0,3 Millimetern Weite und einem Millimeter Länge lässt nur Strahlen durch, die weniger als etwa 17 Grad von der Achse abweichen. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Selbst innerhalb dieses Winkels wird der wirksame Querschnitt zum Rand hin kleiner, das Bild wird dort dunkler. Ein Beobachter, der die Schuhschachtel schon gebaut hat und beim ersten Versuch nur einen hellen Fleck in der Bildmitte sieht, kennt genau dieses Problem. Gute Ersatzstoffe gibt es trotzdem reichlich, sie stecken in der Küchenschublade, im Schrank mit Werkstattbedarf und im Altpapier. Warum der Lochdurchmesser selbst so wichtig ist, steht im Beitrag über die richtige Lochgröße einer Lochkamera, hier geht es um das Material um das Loch herum.

Was an Material und Zubehör bereitliegen sollte

Gesucht ist ein Stoff, der unter 0,1 Millimeter dick ist, kein Licht durchlässt und sich ohne Ausfransen durchstechen lässt. Die Seitenwand einer leeren Getränkedose erfüllt das fast perfekt, sie misst nur etwa 0,1 Millimeter und lässt sich mit einer Schere aus dem Mantel schneiden. Noch besser ist ein Streifen Fühlerlehre mit 0,05 Millimetern aus dem Autozubehör, ein Stahlband, das flach liegt und sich nicht wellt. Schwarze Müllsäcke mit rund 0,03 Millimetern Dicke funktionieren ebenfalls, wenn zwei Lagen übereinander verklebt werden, denn eine einzelne Lage lässt bei Sonne Licht durch.

  • Leere Getränkedose, Fühlerlehre 0,05 Millimeter oder Messingfolie als Lochplatte
  • Stecknadel oder feine Nähnadel, dazu feines Schleifpapier mit Körnung 800 bis 1000
  • Schwarzer Edding oder matte schwarze Farbe gegen Spiegelungen
  • Schuhschachtel mit Deckel, schwarzes Gewebeband und Backpapier als Mattscheibe
  • Schere, Cutter und ein Stück Hartholz als Unterlage

Wichtiger als das Metall ist die Unterlage beim Stechen. Auf einer weichen Matte entsteht ein kleiner Krater statt eines glatten Lochs, auf Hartholz bleibt das Blech eben. Die Nadel selbst sollte dünn sein, eine Stecknadel hat etwa 0,6 Millimeter Schaftdurchmesser, eine feine Nähnadel kommt auf 0,5 bis 0,7. Weil nur die Spitze durch das Blech geführt wird, entsteht ein Loch, das deutlich kleiner als der Schaft ist, und genau diese Größenordnung von 0,2 bis 0,4 Millimetern passt zu einer Schachtel mit 100 bis 150 Millimetern Tiefe. Eine Schuhschachtel misst meist 120 bis 130 Millimeter in der Länge, damit liegt die Bildweite fest und das Backpapier braucht keine Verstellung.

Schritt für Schritt vom Blech zur Lochplatte

Zuerst wird aus der Dose oder dem Stahlband ein Quadrat von etwa drei mal drei Zentimetern geschnitten. Die Ränder lassen sich mit Schleifpapier entgraten, damit sie später nicht am Gewebeband haften bleiben und keine Lücken lassen. Blankes Metall spiegelt, deshalb wird die Innenseite mit schwarzem Filzstift oder einem Hauch Mattlack gestrichen. Fehlt die Farbe, hilft ein Rußfilm über einer Kerzenflamme, er bleibt allerdings empfindlich und sollte nicht berührt werden. Dosenblech ist außen häufig lackiert und innen beschichtet, ein kurzes Anschleifen der Stelle um das spätere Loch verhindert, dass die Nadel abrutscht. Das Stechen selbst verlangt Geduld: Die Nadel wird senkrecht aufgesetzt, unter leichtem Druck gedreht und nur so weit durchgeführt, bis die Spitze gerade austritt.

  1. Blech zuschneiden, Ränder entgraten und die Innenseite mattschwarz färben
  2. Auf Hartholz legen und die Nadelspitze drehend durchstechen
  3. Grat mit Schleifpapier abziehen, danach Loch gegen Licht prüfen
  4. In die Schachtelwand ein Fenster von 1 Zentimeter schneiden und die Platte innen darüber kleben
  5. Gegenüber Backpapier als Mattscheibe einsetzen und den Deckel mit Gewebeband abdichten

Auf der Rückseite bleibt nach dem Stechen ein winziger Grat stehen, der mit dem Schleifpapier flach abgezogen wird. Danach wird die Platte gegen eine helle Lampe gehalten, und das Loch sollte als kleiner, möglichst runder Lichtpunkt ohne Ausläufer erscheinen. Das Fenster in der Schachtelwand bleibt absichtlich klein, damit keine Randstrahlen am Loch vorbeilaufen, und die Platte sitzt innen, weil der Druck des Klebebands sie dann gegen die Wand presst und nicht abhebt. Ein Probebild bei Tageslicht auf dem Backpapier zeigt nach wenigen Sekunden, ob die Anordnung stimmt. Bleibt die Mattscheibe dunkel, hilft es, die Kamera zum Fenster zu drehen oder die Schachtel mit einem Tuch über dem Kopf zu betrachten.

Balkendiagramm der Bildwinkel von Alufolie bis Karton bei einem Loch von 0,3 Millimetern

Wie viel Bildwinkel jedes Material übrig lässt

MaterialDicke in mmBildwinkelLicht bei 30 Grad
Alufolie0,016174 Grad83 Prozent
Müllsack0,03169 Grad80 Prozent
Fühlerlehre0,05161 Grad76 Prozent
Dosenblech0,1143 Grad66 Prozent
Karton0,562 Grad1 Prozent
Karton1,033 Grad0 Prozent

Bei der Wahl des Stoffs hilft eine einfache Rechnung. Der halbe Öffnungswinkel ist der Arkustangens aus Lochdurchmesser geteilt durch Materialdicke, der Bildwinkel das Doppelte davon. Für ein Loch von 0,3 Millimetern ergeben sich die Werte der Tabelle. Die letzte Spalte beschreibt, wie viel Licht ein Punkt bei 30 Grad Abstand von der Bildmitte im Vergleich zur Mitte noch durch das Loch schickt, berechnet aus der verkürzten Lochfläche und der Abschattung durch die Tunnelwand.

Alufolie und Müllsack bleiben praktisch verlustfrei, bei Dosenblech geht am Bildrand ein Drittel des Lichts verloren, was sich bei der Belichtung ausgleichen lässt. Wellpappe mit drei Millimetern Dicke wäre mit 11 Grad völlig unbrauchbar, sie taugt nur als Rahmen, nicht als Lochplatte. Bei Karton von 0,5 Millimetern bleibt zwar ein Bildwinkel von 62 Grad, doch schon ein Drittel des Weges zum Bildrand kommt praktisch nichts mehr an, die Ränder bleiben schwarz. Ein größeres Loch verbessert das Verhältnis, verschlechtert aber die Schärfe, weshalb der Wechsel auf dünneres Material häufig besser ist als ein Aufbohren. Eine Probe mit dem Cutter ist ebenfalls möglich: Ein Stück Fühlerlehre lässt sich in Sekunden austauschen, ohne die Schachtel neu zu bauen, falls die Kartonplatte enttäuscht.

Der Grat bleibt die häufigste Fehlerquelle

Wenn das Bild weich wirkt und Lichtpunkte kleine Schweife ziehen, liegt es meist nicht am Material, sondern am Loch selbst. Eine durchgedrückte Nadel formt keinen Zylinder, sondern einen Trichter mit ausgefranstem Rand, bei dem eine Seite wie ein winziger Schirm wirkt. Statt eines runden Punktes entsteht ein Dreieck oder eine Ellipse, und jedes Detail im Bild wiederholt diese Form. Hilfreich ist der Blick durch eine Lupe oder ein Smartphone mit Makroobjektiv auf Millimeterpapier. Eine Abweichung von mehr als einem Fünftel der Lochweite fällt dort sofort auf.

Der zweite Stolperstein heißt Streulicht. Viele Anfängerkameras sind lichtdicht genug für den Blick durch das Loch, aber nicht für eine Belichtung von mehreren Sekunden. Spalten an den Schachtelkanten, Lücken unter dem Deckel und durchscheinende Pappe zeichnen graue Schleier ins Bild. Eine einfache Probe: Im abgedunkelten Raum eine Taschenlampe in die geschlossene Schachtel halten, nur das Loch abdecken, und von außen nach hellen Linien suchen. Wo Licht herauskommt, kommt es auch hinein. Ein Streifen schwarzes Gewebeband entlang der Deckelkante löst die meisten Fälle, bei Fotopapier kommt eine zweite Lage dazu. Wie das umgekehrte Bild zustande kommt, erklärt der Beitrag zum Kopfstand des Lochkamerabildes.


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